Klassische Musik online - Aktuelles, Konzerte, Biographien, Musik & Videos im Netz.

Klassische Musik und Oper von Classissima

Luciano Pavarotti

Samstag 23. Juli 2016


Crescendo

26. April

Wie nah’ sind uns manche Tote… - Wie die Klassik endlich den Pop ernst nimmt

CrescendoGroße Musiker sind von uns gegangen. Sind sie auch Klassiker? Klar – und wir beginnen das so langsam zu begreifen. Von Axel Brüggemann Irgendwann habe ich Pierre Boulez einmal gefragt: „Sagen Sie, Monsieur, in 100 Jahren, was wird für uns dann eigentlich klassisch sein? Michael Jackson oder Ihre Musik?“ Der Großmeister des Neutönens schien meine Frage nicht verstanden zu haben. Seine Antwort fiel ungefähr so aus: „Ich weiß nicht, ob ich in 100 Jahren ein Klassiker bin, aber ich bin sicher, dass Michael Jackson es nicht ist.“ Ich schreibe diese Kolumne auch auf Grund der geballten Hiobsbotschaften der letzten Monate – wen hat es nicht alles dahingerafft, in die Unendlichkeit. Mit Boulez selber ist einer der wirklich großen Gegenwartskomponisten gegangen, so wie vor ihm bereits Hans Werner Henze und kürzlich erst der Meister-Dirigent Nikolaus Harnoncourt. Aber der Himmel steht auch auf Pop und Rock: gerade erst Prince, davor David Bowie, Amy Winehhouse schon seit Längerem. Sie alle spielen inzwischen vor dem Lieben Gott – sie allesamt erscheinen uns, besonders nach ihrem Tod, als Klassiker. E- und U – endlich aufgelöst? Viele Jahre wurde darüber geredet, dass eine Trennung von U- und E-Musik, von so genannter Unterhaltung und sogenannter ernster Musik, nicht möglich sei. Eine Behauptung, die in unseren Köpfen lange Zeit nicht angekommen ist. Wie auch? Sowohl die Klassik als auch der Pop agierten bei Grenzüberschreitungen stets ein wenig absonderlich. Es ist noch gar nicht lange her, dass besonders Klassik-Künstler hofften, eine größere Aufmerksamkeit zu erlangen, wenn sie sich an das Rock- und Pop-Geschäft heranschmeißen. Pavarotti, der seine Freunde regelmäßig zum gemeinsamen musikzieren geladen hat, ist ein Paradebeispiel, andere Sänger und Virtuosen eiferten ihm nach. Sie glaubten, dass ein bisschen Filmmusik oder ein mit Klassik-Organ vorgetragener Schmuse-Pop-Song ihnen neue Fans bescheren würde oder zumindest den Klassik-Staub vom Image fallen würde. Und dann war da noch die Davidgettisierung der klassischen Musik: Lederarmbändchen, Langhaar-Frisur, Mode-Strickmütze – und losgefiedelt. Bis ins Marketing hat die Klassik versucht, den Pop zu imitieren, und mit der Erfindung von Anna Netrebko sein Meisterstück abgeliefert (gut, dass sie sich stimmlich längst vom Anfangs-Marketing emanzipiert hat, aber viele andere Sternchen sind mit gleicher Masche längst verbrannt.). Und der Pop? Auch er hat stets mit der zaghaften Grenzüberschreitung zur Klassik geliebäugelt, hat entweder (wie Richard Clayderman) die großen Klassiker auf Tonika-Subdominante-Dominante-Tonika-Folgen heruntergebrochen oder versucht, sich schon zu Lebzeiten selbst als Klassiker zu adeln. So wie Sting, der plötzlich angefangen hat, die Renaissance-Minne von John Dowland zu trällern und seine größten Hits mit Sinfonieorchester vorgetragen hat, bis die Polizei kam. Er hat seine eigene Kunst gegenüber der Klassik provokant abgewertet und erklärt, dass der Pop die Langeweile des ewig Gleichen sei und Stravinsky ein wahre Rocker. All diese verklemmten und unnatürlichen Grenzüberschreitungen haben nur eines gezeigt: Pop und Klassik finden nur schwer zueinander – und in Wahrheit folgen sie vollkommen anderen Kriterien. Neue Ernsthaftigkeit Langsam scheinen wir all das zu überwinden. In den letzten Monaten und Jahren hat sich das Verhältnis von Klassik und Pop grundlegend gewandelt. Die Zeit, sich beim jeweils anderen einzuschleimen, ist vorbei. Stattdessen ist ernsthaftes Interesse eingezogen. Statt die jeweils andere Kunst in die Möglichkeiten der eigenen Mittel zu übersetzen, beschäftigen sich immer mehr Musiker mit dem musikalischen Gehalt der anderen Welt, suchen nach strukturellen Wegen und analysieren diese und jene Musik nicht mehr als Faszinosum von einem anderen Planeten, sondern als gleichberechtigte Kunst. Die aktuellen Projekte einiger Klassik-Künstler stehen für genau diesen Trend. Nigel Kennedy, einst eher ein Pseudo-Punk, wird im Alter weiser und sucht in seinem aktuellen Programm Inspiration bei Jimi Hendrix: nicht, um sein ewig jugendliches Image zu polieren, sondern weil er die klassische Virtuosität des Gitarristen neu entdeckt. Bei Konzerten wie auf Burg Herzberg steht er plötzlich selbstverständlich in einem Lineup mit Element of Crime oder Walter Trout. Schon vor einiger Zeit hat der Gitarrist Milos Karadaglic sein Beatles-Album in den Abbey-Road-Studios aufgenommen. Für sein Album „Blackbird“ hat er die Pilzköpfe gemeinsam mit Tori Amos oder Anoushka Shanka ganz ernsthaft auf ihren Klassik-Gehalt untersucht und Melodien und Harmonien gefunden, die sowohl von der Tradition Bachs als auch vom Bruch der Regeln inspiriert sind. Nicht umsonst holten die Beatles bereits den Erfinder des Techno, Karlheinz Stockhausen als einzigen Deutschen auf das Cover ihres „Sergant Pepper“-Albums. Wenn Karadaglic sagt, „Die Beatles sind für mich genau so klassisch wie Bach“, meint er das nicht provokativ, sondern im vollen Bewusstsein darüber, dass Das Carpenter-Experiment Und nun nimmt sich auch der Organist Cameron Carpenter den Pop als Fortführung der Klassik mit anderen Mitteln vor. In seinem bald erscheinenden Album (ausführliche Rezension im neuen crescendo) reist er ebenfalls von Bach bis zu den Beatles. Das Besondere ist, dass die Musik der vier Liverpooler ihn eigentlich nie begeistert hat. Der Album-Titel „All you need is Love“ war eher eine Spontan-Idee seines Freundes, ein hübsches Wortspiel, mehr nicht. Und tatsächlich hat Carpenter sich bei den Aufnahmen zunächst hauptsächlich um seinen Bach gekümmert – und ihn, wie immer, gehörig gegen den Strich gebürstet. Seine Improvisation über den Beatles-Song „All you need is Love“ sparte er sich für den letzten Aufnahmetag. Was dann passierte, ist fast schon abenteuerlich: Carpenter gelingt es, das Tonmaterial der Beatles zu sezieren, ihre Ideen auseinanderzuschrauben, hoch zu halten, zu analysieren und wieder einzuordnen. Mit dieser Improvisation hat der Organist nicht nur sein eigenes Vorurteil beerdigt, sondern die Beatles für alle hörbar als eine Art Pop-Thomaner gleichberechtigt neben den Thomaskantor Johann Sebastian Bach gestellt. Die wahren Klassiker Zugegeben, in ihrer Entdeckungsfreude des Pop und des Rock als gleichberechtigte Klassiker sind die Musiker aus der Welt der Klassik oft noch weit hinter dem, was in der Popkultur als wirklich innovativ geilt – was tatsächlich Musikgeschichte geschrieben hat. Forscher an der Universität in London haben vor einiger Zeit die US-Hitparaden von 1960 bis 2010 analysiert und anhand von 17.000 Songs herausgefunden, dass die Beatles längst nicht zu den innovativsten Musikern der Moderne gehörten, sondern, ähnlich wie viele andere Brit-Pop-Helden, die Stones oder The Who, eher bestehenden Trends gefolgt sind. Ein weiteres Ergebnis der Studie: die 80er Jahre waren das unspektakulärste Jahrzehnt in den letzten 60 Jahren. Stattdessen verstehen die Wissenschaftler in London die Hip-Hop-Bewegung (etwa Jay-Z) und die New-Wave-Bewegung als wahre Meilensteine, als klassischen Innovations-Motor der Musikgeschichte. Zeit also, dass die Klassik nicht nur das Alte und längst eh Klassische in Angriff nimmt, sondern auch in unserer Zeit sucht, um zu hören, dass das alte Instrumentarium und die Berufung auf Bach schon lange kein Kriterium mehr dafür sind, am Ende der Welt noch als Klassiker zu gelten. Wolf Biermann dichtete einst die schönen Zeilen: „Wie nah sind uns manche Tote, wie tot sind manche die Leben!“ – In diesen Tagen und Wochen, in denen so viel Musikgeschichte von unserer Welt in den Himmel gezogen ist, gilt es vielleicht als Trost, dass wir schon heute mit so vielen Klassikern leben dürfen.

nmz - neue musikzeitung

14. April

Die vielen Gesichter des König Saul

Opern von Nielsen, Verdi, Charpentier, Schnebel und Weinberg auf DVD Niels Jørgen Riis sieht als David ein wenig aus wie Luciano Pavarotti. Passt ganz gut, denn Regisseur David Pountney deutet den alttestamentarischen Sänger als unbekümmerte Frohnatur, die mit einer gewissen Naivität in eine komplizierte religiös-machtpolitische Gemengelage hineingezogen wird. Weiterlesen






Crescendo

14. Januar

Zum Beispiel der große Rudolf Schock! - Zum Beispiel der große Rudolf Schock!

Jubiläen sind wunderbar, findet Axel Brüggemann, doch nicht alle bekommen die Bühne, die sie verdient hätten. Ein Loblied auf Rudolf Schock, der im letzten Jahr hundert geworden wäre.Zugegeben, ich mag Geburtstage: gute Freunde, gutes Essen, guter Wein. Dazu die Erinnerung an Wege, die man gemeinsam mit der Familie gegangen ist, an Abenteuer, die man mit Freunden erlebt hat, an Projekte, die man mit Kollegen ausgeheckt hat – an das Scheitern und Siegen im Großen und im Kleinen. Geburtstage sind wie ein Blick in den Spiegel, eine Standortbestimmung, ein Rückblick, eine Einordnung der Gegenwart und ein Ausblick auf das, was noch kommen könnte. Geburtstage geben Zeit und Raum, das eigene Dasein mit der Welt abzugleichen. Sie sind Momente des Innehaltens, der Feier des Lebens und seiner Alltäglichkeiten. In der klassischen Musik sind Geburtstage und Jubiläen auch die Möglichkeit, all das zu entdecken, was viel zu lange verschollen war und all jenes auszugraben, was zu Unrecht vergessen wurde. An Geburtstagen lassen sich auch alte Perspektiven neu vermessen. Jubiläen werden oft verschmäht wie die Goldene Hochzeit von Oma und Opa. Aber für viele Medien sind sie noch immer sogenannte „Aufhänger“, Anlässe, um das zu thematisieren, was sonst unter den Tisch fällt. Kurz: Geburtstage sind ein guter Grund für Entdeckungen! Das Jubiläumsjahr 2015 war für mich auch deshalb spannend, weil ich durch den Sibelius-Geburtstag und die Berichterstattung über den oft belächelten Finnen endlich gezwungen wurde, mich mit ihm auseinanderzusetzen. Und, ja, ich habe ihn und seine Musik, die ich lange für großen Kitsch hielt, neu entdeckt. Vor zwei Monaten wurde der 80. Geburtstag von Luciano Pavarotti gefeiert. Als ich sah, wie Freunde auf Facebook seine alten Videos teilten und als ich ihn im Fernsehen als einen der „Drei Tenöre“ singen hörte, erinnerte ich mich an meinen letzten Besuch bei ihm in Modena. Das war ein Jahr vor seinem Tod. Mitten im Sommer war das Haus von „Big P.“ noch weihnachtlich dekoriert. Er saß – groß und zusammengesunken – in roten Shorts am Tisch. Es fiel ihm schwer, sich wachzuhalten. Der Mann hinter dem Bart war melancholisch und müde. Für mich war das erschütternd. Als ich ihn fragte, ob er selbst noch vom Sprungbrett in den Pool springen würde, lachte er: „Nein, das ist nur noch für die Kinder.“ Als ich damals sein Grundstück verließ, wurde Pavarotti gerade wegen seiner Liebschaften, der Ehe-Streitereien und wegen irgendwelcher Steuerdinge in der Boulevardpresse angegriffen, viele hielten ihn für eine Karikatur seiner selbst. Seine Stimme rückte in den Schatten, die Legende wurde demontiert, seine Lebensleistung wurde dem Alltag geopfert. Pavarotti, die Jahrhundertstimme, war mit den Worten der New York Times inzwischen der „fat man who can’t sing“. Jetzt, an seinem 80. Geburtstag, am 12. Oktober 2015, wurde mir wieder klar, dass ich damals zwar einen müden Mann, aber eben auch einen Unsterblichen besucht hatte. Ich hatte dieses Jahr allerdings auch ernüchternde Erfahrungen mit der Jubiläums-Erinnerungskultur unserer Medien. Ein Freund und Produzent wollte gemeinsam mit mir einen Film zum 100. Geburtstag von Rudolf Schock drehen. Der Ausnahmesänger wurde vor 100 Jahren am 4. September 2015 in Duisburg geboren. Sein Leben ist ein urdeutscher Soundtrack gewesen: der Arbeitersohn, dessen Vater im Ersten Weltkrieg kämpfte, das Kind, das in der Republik von Weimar Kohle stehlen musste, der Mann, der eine Frisörausbildung begann und eher zufällig von einer reichen Kundin musikalisch gefördert wurde. Rudolf Schock war jemand, für den die Stimme eine Naturgewalt war: der ungehemmte, unverschlissene, ewig wache Ausdruck des Menschseins. Gerade, als seine Karriere begann, wurde er von Hitler an die Front geschickt. Er liebte das Leben und begegnete immer wieder dem Tod. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm er alle Engagements an, egal ob in Ost- oder Westberlin – er fand verschlungene Wege über die Grenze, ignorierte die Trennung des Landes. Schock wurde zur Stimme des Wirtschaftswunders, lernte das Who is Who im Nachkriegsdeutschland kennen und konnte es sich irgendwann leisten, eine Villa am Starnberger See zu bauen. Mit seiner Stimme wollte er auch verarbeiten: das eigene Leiden, das Leiden seiner Familie, das Leiden Deutschlands. Sicher, er war kein 68er, kein Revoluzzer, stattdessen verkörperte er ein anderes Deutschland, das Deutschland all jener, die so viel Unerträgliches erlebt hatten, dass sie nun endlich einmal glücklich sein wollten.

Luciano Pavarotti
(1935 – 2007)

Luciano Pavarotti (12. Oktober 1935 - 6. September 2007) war ein italienischer Tenor und gilt über die Grenzen der Oper und Klassik hinaus als einer der bedeutendsten Tenöre seiner Zeit. Als Mitglied der Drei Tenöre und als Duettpartner vieler Pop-Künstler wurde Pavarotti zu einem medialen Superstar. Seinen Ruhm nutzte er auch mit Benefizkonzerten für Flüchtlinge, das Rote Kreuz und zur Rettung des Regenwaldes.



[+] Weitere Nachrichten (Luciano Pavarotti)
26. Apr
Crescendo
14. Apr
nmz - neue musikz...
15. Jan
nmz - KIZ-Nachric...
15. Jan
nmz - neue musikz...
15. Jan
musik heute
15. Jan
Google News DEUTS...
15. Jan
Google News DEUTS...
14. Jan
Crescendo
14. Dez
Crescendo
9. Dez
ouverture
10. Nov
musik heute
13. Okt
Crescendo
9. Sep
Crescendo
19. Jun
musik heute
18. Mär
Google News DEUTS...
30. Dez
musik heute
17. Dez
Google News DEUTS...
8. Sep
Crescendo
9. Jul
KlassikAkzente
12. Nov
KlassikAkzente

Luciano Pavarotti




Pavarotti im Netz...



Luciano Pavarotti »

Große Opernsänger

Caruso Donna è Mobile Nessun Dorma Ave Maria Drei Tenöre Figaro Mozart Puccini Verdi

Seit Januar 2009 erleichtert Classissima den Zugang zu klassischer Musik und erweitert deren Zuhörerkreis.
Mit innovativen Servicedienstleistungen begleitet Classissima Neulinge und Musikliebhaber im Internet.


Große Dirigenten, Große Künstler, Große Opernsänger
 
Große Komponisten der klassischen Musik
Bach
Beethoven
Brahms
Debussy
Dvorak
Handel
Mendelsohn
Mozart
Ravel
Schubert
Tschaikowski
Verdi
Vivaldi
Wagner
[...]


browsen Zehn Jahrhunderte der klassischen Musik...