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Klassische Musik und Oper von Classissima

Luciano Pavarotti

Montag 26. Juni 2017


Crescendo

26. April

Wie nah’ sind uns manche Tote… - Wie die Klassik endlich den Pop ernst nimmt

CrescendoGroße Musiker sind von uns gegangen. Sind sie auch Klassiker? Klar – und wir beginnen das so langsam zu begreifen. Von Axel Brüggemann Irgendwann habe ich Pierre Boulez einmal gefragt: „Sagen Sie, Monsieur, in 100 Jahren, was wird für uns dann eigentlich klassisch sein? Michael Jackson oder Ihre Musik?“ Der Großmeister des Neutönens schien meine Frage nicht verstanden zu haben. Seine Antwort fiel ungefähr so aus: „Ich weiß nicht, ob ich in 100 Jahren ein Klassiker bin, aber ich bin sicher, dass Michael Jackson es nicht ist.“ Ich schreibe diese Kolumne auch auf Grund der geballten Hiobsbotschaften der letzten Monate – wen hat es nicht alles dahingerafft, in die Unendlichkeit. Mit Boulez selber ist einer der wirklich großen Gegenwartskomponisten gegangen, so wie vor ihm bereits Hans Werner Henze und kürzlich erst der Meister-Dirigent Nikolaus Harnoncourt. Aber der Himmel steht auch auf Pop und Rock: gerade erst Prince, davor David Bowie, Amy Winehhouse schon seit Längerem. Sie alle spielen inzwischen vor dem Lieben Gott – sie allesamt erscheinen uns, besonders nach ihrem Tod, als Klassiker. E- und U – endlich aufgelöst? Viele Jahre wurde darüber geredet, dass eine Trennung von U- und E-Musik, von so genannter Unterhaltung und sogenannter ernster Musik, nicht möglich sei. Eine Behauptung, die in unseren Köpfen lange Zeit nicht angekommen ist. Wie auch? Sowohl die Klassik als auch der Pop agierten bei Grenzüberschreitungen stets ein wenig absonderlich. Es ist noch gar nicht lange her, dass besonders Klassik-Künstler hofften, eine größere Aufmerksamkeit zu erlangen, wenn sie sich an das Rock- und Pop-Geschäft heranschmeißen. Pavarotti, der seine Freunde regelmäßig zum gemeinsamen musikzieren geladen hat, ist ein Paradebeispiel, andere Sänger und Virtuosen eiferten ihm nach. Sie glaubten, dass ein bisschen Filmmusik oder ein mit Klassik-Organ vorgetragener Schmuse-Pop-Song ihnen neue Fans bescheren würde oder zumindest den Klassik-Staub vom Image fallen würde. Und dann war da noch die Davidgettisierung der klassischen Musik: Lederarmbändchen, Langhaar-Frisur, Mode-Strickmütze – und losgefiedelt. Bis ins Marketing hat die Klassik versucht, den Pop zu imitieren, und mit der Erfindung von Anna Netrebko sein Meisterstück abgeliefert (gut, dass sie sich stimmlich längst vom Anfangs-Marketing emanzipiert hat, aber viele andere Sternchen sind mit gleicher Masche längst verbrannt.). Und der Pop? Auch er hat stets mit der zaghaften Grenzüberschreitung zur Klassik geliebäugelt, hat entweder (wie Richard Clayderman) die großen Klassiker auf Tonika-Subdominante-Dominante-Tonika-Folgen heruntergebrochen oder versucht, sich schon zu Lebzeiten selbst als Klassiker zu adeln. So wie Sting, der plötzlich angefangen hat, die Renaissance-Minne von John Dowland zu trällern und seine größten Hits mit Sinfonieorchester vorgetragen hat, bis die Polizei kam. Er hat seine eigene Kunst gegenüber der Klassik provokant abgewertet und erklärt, dass der Pop die Langeweile des ewig Gleichen sei und Stravinsky ein wahre Rocker. All diese verklemmten und unnatürlichen Grenzüberschreitungen haben nur eines gezeigt: Pop und Klassik finden nur schwer zueinander – und in Wahrheit folgen sie vollkommen anderen Kriterien. Neue Ernsthaftigkeit Langsam scheinen wir all das zu überwinden. In den letzten Monaten und Jahren hat sich das Verhältnis von Klassik und Pop grundlegend gewandelt. Die Zeit, sich beim jeweils anderen einzuschleimen, ist vorbei. Stattdessen ist ernsthaftes Interesse eingezogen. Statt die jeweils andere Kunst in die Möglichkeiten der eigenen Mittel zu übersetzen, beschäftigen sich immer mehr Musiker mit dem musikalischen Gehalt der anderen Welt, suchen nach strukturellen Wegen und analysieren diese und jene Musik nicht mehr als Faszinosum von einem anderen Planeten, sondern als gleichberechtigte Kunst. Die aktuellen Projekte einiger Klassik-Künstler stehen für genau diesen Trend. Nigel Kennedy, einst eher ein Pseudo-Punk, wird im Alter weiser und sucht in seinem aktuellen Programm Inspiration bei Jimi Hendrix: nicht, um sein ewig jugendliches Image zu polieren, sondern weil er die klassische Virtuosität des Gitarristen neu entdeckt. Bei Konzerten wie auf Burg Herzberg steht er plötzlich selbstverständlich in einem Lineup mit Element of Crime oder Walter Trout. Schon vor einiger Zeit hat der Gitarrist Milos Karadaglic sein Beatles-Album in den Abbey-Road-Studios aufgenommen. Für sein Album „Blackbird“ hat er die Pilzköpfe gemeinsam mit Tori Amos oder Anoushka Shanka ganz ernsthaft auf ihren Klassik-Gehalt untersucht und Melodien und Harmonien gefunden, die sowohl von der Tradition Bachs als auch vom Bruch der Regeln inspiriert sind. Nicht umsonst holten die Beatles bereits den Erfinder des Techno, Karlheinz Stockhausen als einzigen Deutschen auf das Cover ihres „Sergant Pepper“-Albums. Wenn Karadaglic sagt, „Die Beatles sind für mich genau so klassisch wie Bach“, meint er das nicht provokativ, sondern im vollen Bewusstsein darüber, dass Das Carpenter-Experiment Und nun nimmt sich auch der Organist Cameron Carpenter den Pop als Fortführung der Klassik mit anderen Mitteln vor. In seinem bald erscheinenden Album (ausführliche Rezension im neuen crescendo) reist er ebenfalls von Bach bis zu den Beatles. Das Besondere ist, dass die Musik der vier Liverpooler ihn eigentlich nie begeistert hat. Der Album-Titel „All you need is Love“ war eher eine Spontan-Idee seines Freundes, ein hübsches Wortspiel, mehr nicht. Und tatsächlich hat Carpenter sich bei den Aufnahmen zunächst hauptsächlich um seinen Bach gekümmert – und ihn, wie immer, gehörig gegen den Strich gebürstet. Seine Improvisation über den Beatles-Song „All you need is Love“ sparte er sich für den letzten Aufnahmetag. Was dann passierte, ist fast schon abenteuerlich: Carpenter gelingt es, das Tonmaterial der Beatles zu sezieren, ihre Ideen auseinanderzuschrauben, hoch zu halten, zu analysieren und wieder einzuordnen. Mit dieser Improvisation hat der Organist nicht nur sein eigenes Vorurteil beerdigt, sondern die Beatles für alle hörbar als eine Art Pop-Thomaner gleichberechtigt neben den Thomaskantor Johann Sebastian Bach gestellt. Die wahren Klassiker Zugegeben, in ihrer Entdeckungsfreude des Pop und des Rock als gleichberechtigte Klassiker sind die Musiker aus der Welt der Klassik oft noch weit hinter dem, was in der Popkultur als wirklich innovativ geilt – was tatsächlich Musikgeschichte geschrieben hat. Forscher an der Universität in London haben vor einiger Zeit die US-Hitparaden von 1960 bis 2010 analysiert und anhand von 17.000 Songs herausgefunden, dass die Beatles längst nicht zu den innovativsten Musikern der Moderne gehörten, sondern, ähnlich wie viele andere Brit-Pop-Helden, die Stones oder The Who, eher bestehenden Trends gefolgt sind. Ein weiteres Ergebnis der Studie: die 80er Jahre waren das unspektakulärste Jahrzehnt in den letzten 60 Jahren. Stattdessen verstehen die Wissenschaftler in London die Hip-Hop-Bewegung (etwa Jay-Z) und die New-Wave-Bewegung als wahre Meilensteine, als klassischen Innovations-Motor der Musikgeschichte. Zeit also, dass die Klassik nicht nur das Alte und längst eh Klassische in Angriff nimmt, sondern auch in unserer Zeit sucht, um zu hören, dass das alte Instrumentarium und die Berufung auf Bach schon lange kein Kriterium mehr dafür sind, am Ende der Welt noch als Klassiker zu gelten. Wolf Biermann dichtete einst die schönen Zeilen: „Wie nah sind uns manche Tote, wie tot sind manche die Leben!“ – In diesen Tagen und Wochen, in denen so viel Musikgeschichte von unserer Welt in den Himmel gezogen ist, gilt es vielleicht als Trost, dass wir schon heute mit so vielen Klassikern leben dürfen.

musik heute

29. März

Pavarotti-Gedenkkonzert sammelt für syrische Flüchtlinge

Doha/Berlin (MH) – Ein Konzert zu Ehren des italienischen Tenors Luciano Pavarotti (1935-2007) soll Spenden für syrische Flüchtlinge sammeln. Das Konzert unter dem Titel "Brave New World" ist für den 1. Februar 2018 im Qatar [...] The post Pavarotti-Gedenkkonzert sammelt für syrische Flüchtlinge appeared first on MUSIK HEUTE .






Luciano Pavarotti
(1935 – 2007)

Luciano Pavarotti (12. Oktober 1935 - 6. September 2007) war ein italienischer Tenor und gilt über die Grenzen der Oper und Klassik hinaus als einer der bedeutendsten Tenöre seiner Zeit. Als Mitglied der Drei Tenöre und als Duettpartner vieler Pop-Künstler wurde Pavarotti zu einem medialen Superstar. Seinen Ruhm nutzte er auch mit Benefizkonzerten für Flüchtlinge, das Rote Kreuz und zur Rettung des Regenwaldes.



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